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Amtssprache

Amtssprache – Eine bequeme Art, für sein Handeln nicht die Verantwortung zu übernehmen

Amtssprache – Eine bequeme Art, für sein Handeln nicht die Verantwortung zu übernehmen

Die Gewaltfreie Kommunikation (GFK) nach Marshall B. Rosenberg ist eine Art des Umgangs miteinander, die den Kommunikationsfluss erleichtert, der im Austausch von Informationen und im friedlichen Lösen von Konflikten notwendig ist. Der Fokus liegt dabei auf den jeweiligen Werten und Bedürfnissen der Gesprächspartner.
Durch die GFK wird zu einem Sprachgebrauch angeregt, der Wohlwollen verstärkt. Ein Sprachgebrauch, der zu Ablehnung oder Abwertung führt, wird vermieden. Die gewaltfreie Kommunikation regt dazu an, für sich selbst und sein eigenes Handeln die Verantwortung zu übernehmen und für seine Gefühle und Bedürfnisse bewusst einzutreten. Der Einsatz von „Amtssprache“ ist jedoch das komplette Gegenteil.

Ein Umdenken fällt schwer

Jedoch macht die Art und Weise wie wir aufgewachsen sind ein Umdenken schwer. Wir haben alle gelernt, zu kritisieren, zu bewerten, zu be- und verurteilen, in Kategorien wie richtig oder falsch zu denken und dem anderen die Schuld in die Schuhe zu schieben. Eine recht bequeme Angelegenheit. Insbesondere in Konflikt- und Krisensituationen wird auf diese Weise geschickt vermieden, für das eigenen Handeln die Verantwortung zu übernehmen.

„Das macht man so.“ – Die eigene Verantwortung leugnen

  • „Das macht man so.“
  • „Ich musste es tun.“
  • „Befehl von oben.“
  • „Ich hatte keine Wahl.“
  • „Ich hatte keine Zeit mich der Angelegenheit anzunehmen.“
  • „Weil es das Gesetz so will.“

    sind Formulieren, die es leicht machen nicht die Verantwortung für sein eigenes Handeln zu übernehmen.

Marshall B. Rosenberg hat hierfür den Begriff Amtssprache von Adolf Eichmann geborgt. Adolf Eichmann war SS-Obersturmbannführer und hat Tausende Menschen in den Tod geschickt. Auf die Frage ob das schwierig war, sagte er: „Um ehrlich zu sein, es war ganz einfach“. Er hat vor Gericht erklärt, dass die Sprache es ihm und den anderen Offizieren leicht gemacht hat. So hatten sie nicht das  Gefühl, für ihre Handlungen verantwortlich zu sein. Sie selbst hätten damals den Begriff „Amtssprache“ geprägt.

Amtssprache bedeutet: Sich die Dinge Schönreden

„Das macht man so“ – sind Sprachwendungen, um sich selbst aus der persönlichen Verantwortung zu entziehen, sich zu rechtfertigen oder sich gar als Opfer des Systems darzustellen. Die Realität ist jedoch die, dass es heutzutage vielfach eine Wahl gibt. Nur in sehr seltenen Fällen, werden Menschen gewaltsam gezwungen etwas Bestimmtes zu tun, vielmehr ist es das eigene Denken und die Erfüllung der eigenen Bedürfnisse, die ein entsprechendes Handeln hervorbringen.

Phrasen, die auf persönliche Schwäche hinweisen

Selbst wenn es oberflächlich gelingt, sich im Selbstgespräch der eigenen Verantwortung zu entziehen und sich etwas vorzumachen, bleibt es nicht ohne Konsequenzen. Die Nutzung dieser „Phrasen“ bleibt nicht unentdeckt und wird häufig als persönliche Schwäche erkannt. „Ich habe das so entschieden!“ erfordert Mut, zu sich und seinen Entscheidungen zu stehen und wird von seinen Mitmenschen, Mitarbeitern und Geschäftspartnern eher respektiert und akzeptiert als schwammige Ausflüchte. Insofern möchte ich Sie mit diesem Artikel herzlich einladen, Ihre eigene Ausdrucksweise und das entsprechende Handeln zu überprüfen.
Herzlichst, Ihre Andrea von Graszouw


unsplash-logoBen White (Fotonachweis)

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