Mediation und Konfliktmanagement als Teil des Betriebliches Gesundheitsmanagements

Einleitung - Gesunde Menschen in ``gesunden`` Unternehmen

Die Initiative „Gesunde Unternehmen“, die unter anderem durch den Minister für Wirtschaft und Energie Sigmar Gabriel ins Leben gerufen wurde (http://www.initiative-gesunde-unternehmen.de), setzt sich für mehr Gesundheitsmaßnahmen in Unternehmen ein. Sie sensibilisiert Unternehmen für die Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) und das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM), gibt Impulse und begleitet Unternehmen auf dem Weg zu einem „Gesunden Unternehmen“. Das nicht ohne Grund, denn insbesondere der Anstieg der psychischen Erkrankungen lässt die „Alarmglocken“ läuten.  So ging aus der vom Deutschen Bundesverband für Burnout-Prophylaxe und Prävention e.V. (DBVB) in Auftrag gegebenen Forsa Umfrage hervor: „Mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer kennen bis zu drei Menschen im beruflichen Umfeld, die an Burnout erkrankt sind.“ Die Tendenz ist steigend.

„Mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer kennen bis zu drei Menschen im beruflichen Umfeld, die an Burnout erkrankt sind.“

Dass destruktive Auseinandersetzungen und ungelöste Konflikte am Arbeitsplatz negative Auswirkungen haben, ist inzwischen in den meisten Köpfen der verantwortlichen Führungskräfte und Personalmanager angekommen. Abgesehen von den wirtschaftlichen Schäden, die auf Unternehmensseite durch Konflikte entstehen, sind sie oftmals mit schwerwiegenden Auswirkungen für die psychische und physische Gesundheit der einzelnen Beschäftigten verbunden. Doch trotz dieses Bewusstseins ist das Betriebliche Gesundheitsmanagement im Unternehmen ein Bereich, der oft noch unzureichend Beachtung findet und bislang nur mit halbherzigen Maßnahmen umgesetzt wird. Erfolgreiche Betriebe wissen jedoch, wie wichtig ein gesundes Arbeitsumfeld ist, und setzen gezielt auf Maßnahmen, die nicht mit dem Feierabend enden, und betrachten ihre Mitarbeiter und Beschäftigen ganzheitlich.

Gefährdungsfelder und Maßnahmen im Rahmen eines BGM-Gesamtkonzeptes

1. Allgemeine Präventiv Maßnahmen

Physische Gesundheit am Arbeitsplatz

Gesunde Unternehmen sorgen in erster Line für ein gesundes Arbeitsumfeld und für einen Arbeitsplatz, der den Körper während der Arbeitszeit nicht unnötig belastet, damit eine gesunde Arbeitskraft auf Dauer zur Verfügung steht.  Das betrifft sowohl Angestellte als auch gewerbliche Arbeitnehmer. Ergonomische Büromöbel gehören deshalb zur Grundausstattung für Unternehmen und selbst im Produktionsbereich können die Arbeitsplätze so gestaltet werden, dass Werkstücke in einer Höhe bearbeitet werden, die den Rücken nicht belasten. Ein immer noch stark unterschätzter Faktor innerhalb der Arbeitsräume ist das Raumklima, dass gerade in Großraumbüros ein heikles Thema ist und während der Grippewelle zu massenhaften Krankheitsausfällen führen kann. In einer Ecke ist es zu warm, dem Mitarbeiter weiter weg von der Heizung zu kalt und wird gelüftet, kommt gleich der Aufschrei, dass es ziehen würde. Leider gibt es dafür keine Patentlösung, vielmehr bedarf es hier, einer Geschicklichkeit die unterschiedlichen Bedürfnisse in Einklang zu bringen.

Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz

Gesunde Unternehmen setzen nicht nur auf einen ergonomischen Arbeitsplatz, sie wissen auch, dass die psychische Gesundheit ihrer Mitarbeiter mindestens genauso wichtig ist. Stress am Arbeitsplatz ist schlecht für das Betriebsklima und behindert beim Arbeiten.  Entstehen durch stressende Umfeldfaktoren Konflikte, ist das ein enormer Kostenfaktor für die Unternehmen. Studien zu Folge werden 10 bis 15 % der Arbeitszeit in jedem Unternehmen für Konfliktbewältigung verbraucht. 30 bis 50 % der wöchentlichen Arbeitszeit von Führungskräften werden direkt oder indirekt mit Reibungsverlusten, Konflikten oder Konfliktfolgen verbracht. Im schlimmsten Fall führt es sogar zu Fehlern, die schwerwiegende Folgen nach sich ziehen können, daher setzen gesunde Unternehmen auch auf Maßnahmen um die psychische Gesundheit zu unterstützen.

Gemeinsam gesund durch Sport und bewusste Ernährung

Wer selbst schon mal probiert hat ein Laster aufzugeben, der wird feststellen, dass der Kampf alleine gegen schlechte Gewohnheiten viel schwieriger ist als in der Gruppe. Gesunde Unternehmen setzen daher auf gemeinschaftliche Aktionen bei den Mitarbeitern. Dies kann beispielsweise die Teilnahme an sportlichen Events wie Laufveranstaltungen sein, aber auch der Austausch von zuckerhaltigen Getränken im Automaten durch gesunde Alternativen. In Betriebskantinen werden mittlerweile gesunde Gerichte angeboten, die nicht zwingend fleischlos sein müssen, doch auch das ist denkbar. Der fleischlose Freitag, der in vielen Kantinen eingeführt wurde, hatte zwar anfangs einen leichten Beigeschmack von Zwang, doch zeigte es den Mitarbeitern, in den Betrieben mit solchen durchführten Aktionen auf, dass es nicht jeden Tag Fleisch geben muss, sondern auch vegetarische Gerichte satt machen.

Reduzierung von Krankenständen

Gesunde Unternehmen setzen auf Maßnahmen, die nicht nur innerbetrieblich greifen, tatsächlich sind viele Krankenstände auf eine ungesunde Lebensweise der Mitarbeiter außerhalb der Arbeit zurückzuführen. Erwerben Sie für Ihre Mitarbeiter günstige Mitgliedschaften in Fitnessstudios oder ermöglichen Sie Ihnen die Nutzung von Sportanlagen wie Tennisplätzen zu günstigen Preisen. Initiieren Sie die Bildung von betrieblichen Teams, die Sie beim Training sponsern oder Ihnen die Teilnahme bei Wettbewerben finanzieren. Stellen Sie Ihren Mitarbeitern obendrein noch sportliche Funktionskleidung in den Firmenfarben zur Verfügung, so sind sie gleichzeitig ein wirksamer Werbeträger. Unterstützung bei einer gesunden Ernährung und einer angemessenen sportlichen Betätigung sind die wichtigsten Faktoren auf dem Weg zu einer gesunden Lebensweise und führen letztendlich auch zu einer Reduktion von Krankenständen. Auch in Bezug auf die gesunde Ernährung gibt es ebenfalls zahlreiche Möglichkeiten wie Unternehmen, durch die Investition in eine kompetente Ernährungsberatung ihre Mitarbeiter langfristig bei einem gesunden Lebensweg unterstützen können.

2. Konfliktprävention

Auf die Folgen ungelöster schädlicher Konflikte bin ich eingangs des Artikels bereits eingegangen. Als Konfliktmanagerin, Mediatorin und DBVB Zertifizierter Burnout Prophylaxe Coach ist es mir daher ein Bedürfnis an dieser Stelle nochmals gesondert, darauf einzugehen. Nachfolgend möchte ich Ihnen Möglichkeiten vorstellen, wie Sie den Umgang mit Konflikten sowohl präventiv als auch im „Ernstfall“ im Unternehmen handhaben können.

Konfliktrichtlinie für Unternehmen und Organisationen

Über die bereits genannten Themen hinaus empfehle ich Ihnen die Installation eines Konfliktmanagements im Unternehmen. Wie auch in anderen Unternehmensbereichen können Sie so beispielsweise durch die Erstellung einer Konfliktrichtlinie den konstruktiven Umgang mit Konflikten am Arbeitsplatz regeln. Durch die Erstellung einer solchen Richtlinie können Sie Missverständnisse von vornherein reduzieren und geben Ihren Mitarbeitern für etwaige Konfliktsituationen eine klare Handlungsempfehlung an die Hand. Dafür müssen Sie übrigens nicht unbedingt der Manager eines Dax-Unternehmen sein. Auch für die Inhaber kleiner und mittlerer Unternehmen kann es zu einer deutlichen Entlastung führen, wenn Klarheit über den Umgang mit möglichen Konflikten geschaffen wird. Anregungen, Impulse und Hilfestellungen finden Sie in meinem Wissensbeitrag „Konfliktrichtlinie“ und der daran gekoppelten Videoserie auf YouTube.

Unterstützung im betrieblichen Gesundheitsmanagement durch externe Mediation in Konflikt- und Krisensituationen

Spätestens, wenn Konflikte stark eskaliert sind, es verhärtete Fronten gibt oder Mitarbeiter konflikt- oder stressbedingt über einen längeren Zeitraum ausfallen, dann besteht akuter Handlungsbedarf. Denn klar ist, dass Führungskräfte und Personalverantwortliche eine Fürsorgepflicht gegenüber ihren Mitarbeitern haben. Tun sie nichts, versteht sich das als „unterlassene Hilfeleistung“. Sofern Sie noch kein umfangreiches Konfliktmanagementsystem in Ihrem Unternehmen installiert haben oder wenn eine Konfliktsituation durch die internen Möglichkeiten nicht mehr zu lösen ist, ist es ratsam, auf Hilfe von außen zurückzugreifen. So kann beispielsweise ein Mediator als „unabhängiger Dritter“ bei der Auflösung der verstrickten Situationen mitwirken. Informationen dazu, wie ein Mediationsprozess abläuft, welche Besonderheiten es dabei gibt und darüber hinaus die Antworten auf zahlreiche Fragen aus der Praxis rund um das Thema betriebliche Mediation, finden Sie in meinem Wissensbeitrag „Mediation“ und in meiner Videoserie „Konsens lohnt sich“ auf YouTube.

3. Schlussgedanken

Die Maßnahmen, im betrieblichen Gesundheitsmanagement auf die gesunde Unternehmen setzen, sollten immer ganzheitlich sein und auf vielen Ebenen ansetzen. Allerdings ist darauf zu achten, dass die Veränderungen schrittweise im Unternehmen integriert werden, damit die Mitarbeiter das Tempo auch mitgehen können. Ein gesundheitsförderndes Arbeitsumfeld, die psychische Gesundheit und schlussendlich nachhaltige Maßnahmen, die über die Arbeitszeit hinausgehen, sorgen für einen gesunden Arbeitnehmer und ein Betriebsklima, dass die Produktivität fördert. Unabhängig von ihrer derzeitigen Rolle sind Arbeitnehmer und Beschäftigte allesamt Menschen. Unternehmen und Organisationen haben die Pflicht, sich für das Wohl dieser Menschen zu engagieren und einzusetzen.