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Keine Gebrauchsanweisung für Narzissten

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Keine Gebrauchsanweisung für Narzissten – Sichtweisen

Ein Beitrag über das Ethische Verständnis von MediatorInnen

„Kleine Gebrauchsanweisung für Narzissten“ – Fachzeitschrift Die Mediation

Googelt man den Begriff Narzissmus, spuckt die Datenkrake an vorderster Stelle einen Beitrag aus der Fachzeitschrift „Die Mediation“ aus. „Kleine Gebrauchsanweisung für Narzissten“ titelt der Beitrag, der, geschrieben von einer Psychologin und Mediatorin, im Kern Hilfestellungen für den Umgang mit Narzissten liefern soll. Doch wie hilfreich ist es, Menschen als Sachgegenstand zu betrachten?

Eine Gebrauchsanweisung bzw. Gebrauchsanleitung ist laut Wikipedia eine Sammlung von Informationen für Benutzer zum sicheren und bestimmungsgemäßen Umgang mit einem Produkt. Bei einem „Narzissten“ handelt es sich jedoch um einen Menschen, der es von Natur aus verdient hat, auch als solcher betrachtet und behandelt zu werden. Einen Menschen als eine Sache einzustufen wird aus meiner Sicht dem humanistischen Weltbild nicht gerecht.

Im Beitrag wird zudem völlig außer Acht gelassen, dass jeder Mensch zu einem gewissen Teil narzisstische Persönlichkeitsanteile in sich trägt und das diese in der heutigen Gesellschaft schlichtweg überlebenswichtig sind.

„Der Narzissmus ist nichts Schlechtes, dass möchte ich gern vorwegnehmen. Wir alle brauchen ihn zur Entwicklung eines gesunden Selbstwertgefühls, zum guten Durchsetzungsvermögen und zu guter sozialer Kompetenz, aber …“

(Reinhard Haller in seinem Vortrag zum Buch „Die Narzissmusfalle“.)

„Wenn ein Narzisst Sie kritisiert schalten Sie am besten auf “Teflonohr” und lassen Sie die Kommentare ohne “Haftung” durchziehen“. Aussagen wie diese in einer Fachzeitschrift stimmen mich bedenklich. Als MediatorInnen setzen wir in unserer Arbeit bewusst auf Kommunikationsmethoden wie „Aktives Zuhören“ und „Gewaltfreie Kommunikation“. Schließlich geht es doch darum, dass die Gefühle und Bedürfnisse der Beteiligten endlich gehört werden. Am Ende macht die Autorin in ihrer „Gebrauchsanweisung für Narzissten“ dann das, was sie den Narzissten vorwirft. Sie endet mit einer Abwertung: „Mit Narzissten ist es, wie mit einer dieser Kulissen in alten Westernfilmen: Sieht nach außen hin eindrucksvoll aus – aber es ist leider nichts dahinter. Armer Narzisst.“

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Das Ethische Selbstverständnis von MeditorInnen

Die wichtigste Aufgabe von Mediatoren ist es, Menschen mit unterschiedlichen Sichtweisen zu verbinden, Trennung zu überwinden und Spaltung zu verhindern. Klug wäre also in diesem Zusammenhang, eben keine Gebrauchsanweisung für Narzissten herauszubringen. Mediation ist nämlich weit mehr als nur eine „Methode zur Konfliktklärung“. Mediation ist eine Haltung, die tief aus dem Inneren kommt, mit dem Ziel sich für ein friedliches Miteinander in der Gesellschaft einzusetzen. Das Ethische Selbstverständnis des Bundesverbandes Mediation, dass sich in meiner Arbeit widerspiegelt, bringt das gelungen zum Ausdruck.

Schlussgedanken

Gerade in dieser aufgeheizten und anspruchsvollen Zeit ist es besonders wichtig, dass MediatorInnen sich ihrer außerordentlichen Rolle in der Gesellschaft bewusst werden und die mediative Haltung in ihr Handeln und Sein integrieren. Prof. Dr. Breidenbach* appellierte kürzlich in einer von mir besuchten Masterclass für Mediationssupervisoren an die Teilnehmer, dass wir immer Mediatoren sind, und zwar unabhängig davon, in welcher Lebenssituation oder Rolle wir uns gerade befinden. Es reiche nicht aus, den Raum für andere aufzumachen, damit unsere Klienten ihre Konflikte lösen können. Es ist unsere Pflicht als Mensch und MediatorIn mit gutem Beispiel voranzugehen.
Herzlichen Dank, dass Sie meinen Beitrag gelesen haben.
Ihre Andrea von Graszouw


Ethisches Selbstverständnis des Bundesverbandes Mediation

Menschenbild

In jedem Menschen ist das Potenzial zum Umgang mit und zur Lösung eigener Konflikte vorhanden. Wir vertrauen in unsere und die Kompetenz der Parteien zur kreativen Gestaltung und Verständigung im Konflikt. Wir anerkennen die Autonomie jedes Beteiligten, respektieren die Einzigartigkeit eines jeden und gleichzeitig die Vielfalt der Unterschiede, in denen wir ein besonderes Potenzial sehen.

Verantwortung

Wir respektieren und fördern als MediatorInnen die Selbstverantwortlichkeit aller Beteiligten. Wir sind uns unserer Verantwortung für den geschützten Rahmen bewusst, der den Konfliktparteien das sich einlassen auf den Prozess der Lösungssuche ermöglicht und ermutigen sie, die Verantwortung für den von ihnen eingebrachten Inhalt und die erarbeiteten Vereinbarungen zu übernehmen.

Geschützter Rahmen

Wir schaffen und wahren den geschützten Rahmen, der den Konfliktparteien ermöglicht, sich auf den Prozess der Lösungssuche einzulassen und Gewalt ausschließt.

Allparteilichkeit und Fairness

Wir nehmen die Bedürfnisse und Interessen aller Konfliktparteien mit gleichem Respekt wahr. Wir achten auf Machtunterschiede und geben jeder Partei die Zeit und die Aufforderung, ihre Sache vollständig darzustellen. Wir stellen sicher, dass jede Konfliktpartei sich ihrer eigenen Bedürfnisse und Wünsche klar werden kann.

Offenheit

Als MediatorInnen sind wir ruhig und aufmerksam und ermutigen die Streitparteien zu offener und direkter Aussprache, zu gegenseitiger Toleranz und Wertschätzung.

Einfühlung und Ermutigung der Konfliktparteien

Wir fühlen uns in die Konfliktparteien ein und achten das gesamte Spektrum der Gefühle aller Beteiligten. Wir fördern die gegenseitige Einfühlung der Konfliktparteien und ermutigen sie, ihren Konflikt gemeinsam auszutragen.

Vertraulichkeit und Vertrauen

Alles, was wir in der Mediation erfahren, behandeln wir respektvoll und vertraulich. Wir vereinbaren mit den Konfliktparteien, dass sie uns im Falle eines Gerichtsprozesses nicht als Zeugen für Tatsachen benennen werden, die uns im Verlauf des Mediationsverfahrens bekannt geworden sind. Durch unsere Integrität und Aufrichtigkeit stärken wir das Vertrauen der Konfliktparteien in das Verfahren der Mediation und die Erreichbarkeit einer Lösung für ihren Konflikt.

Freiwilligkeit

Wir gewährleisten die freiwillige Teilnahme aller Konfliktparteien an der Mediation, indem wir sie vollständig über das Verfahren der Mediation informieren und sie auf dessen Möglichkeiten und Grenzen hinweisen. Mit welchem Ergebnis und zu welchem Zeitpunkt sie den Mediationsprozess beenden wollen, bleibt ausschließlich den Konfliktparteien überlassen.

Eigenes Verhalten im Konflikt

Wir sind bereit, Kritik entgegenzunehmen und im eigenen Konflikt diesen in einer Mediation zu bearbeiten.

Professionalität

Wir verpflichten uns, durch sorgfältige Vorbereitung die Interessen der Konfliktparteien bestmöglich zu wahren. Wenn wir erkennen, dass eine parteiliche Beratung für die Konfliktparteien nötig wäre, weisen wir sie darauf hin und ermutigen sie, diese für sich in Anspruch zu nehmen. Erkennen wir, dass unsere Allparteilichkeit nicht mehr gewährleistet ist, verpflichten wir uns, diese unter Zuhilfenahme von professioneller Unterstützung wiederzugewinnen bzw. die Mediation an eine Kollegin/einen Kollegen weiterzuleiten.

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Quellen:
Kleine Gebrauchsanweisung für Narzissten (https://www.die-mediation.de/der-blog/allgemein/kleine-gebrauchsanweisung-fuer-narzissten)
Ethisches Selbstverständnis des BM (https://www.bmev.de/ueber-den-verband/ethik.html)
*Informationen über Prof. Dr. Breidenbach finden Sie hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Stephan_Breidenbach

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