fbpx
Gesund und fair

Gesund und Fair – Gute Arbeit in der globalisierten Welt

Der GESIOP-KONGRESS war die Abschlussveranstaltung des BMBF-Förderschwerpunktes zum Thema Gesunde Arbeit

Der GESIOP-Kongress der Verbraucher Initiative e. V. (Bundesverband) stand unter dem Motto „Gesund und Fair – Gute Arbeit in der globalisierten Welt hilft Unternehmen, Beschäftigten, Kunden und Partnern“. Im Vorfeld des Kongresses konnte ich Antworten auf die dringenden Fragen in der heutigen Arbeitswelt geben. Das Interview erscheint in der Juli Ausgabe des Verbrauchermagazins VERBRAUCHER KONKRET, dem Mitgliedermagazin der Verbraucher Initiative e. V. und ist bereits jetzt auf dem Onlineportal der Verbraucher Initiative veröffentlicht.

Warum zählt „gute Arbeit“ zu einem wichtigen Bestandteil eines Nachhaltigkeitskonzepts?

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“ besagt der Artikel 1 im Grundgesetz. Das gilt auch für den Umgang mit Menschen in Unternehmen und Organisationen. Ebenso regelt der § 241 BGB (2) die Fürsorgepflichten des Arbeitgebers. Es gibt also bereits eine gesetzliche Verpflichtung ArbeitnehmerInnen von Schaden zu bewahren und ihre Gesundheit zu schützen. Das Thema „Gute Arbeit“ ist somit nichts Neues. Ein Nachhaltigkeitskonzept ohne die zentrale Berücksichtigung der Bedürfnisse des Menschen im Mittelpunkt, ist für mich undenkbar.

Wie profitieren Unternehmen und Beschäftigte konkret von gutem Gesundheitsmanagement?

Ein gesundheitsförderndes Arbeitsumfeld stärkt die Motivation und Identifikation mit dem Unternehmen. MitarbeiterInnen werden so zu wertvollen Markenbotschaftern. Fluktuations-, Krankheits- und Folgekosten reduzieren sich. Gesundheitliche Risiken werden begrenzt. Wohlbefinden und ein Gefühl des Glücks und der Zusammengehörigkeit stellen sich ein.

Warum ist das (bis jetzt oft noch) nicht selbstverständlich?

In der Praxis liegt es meist nicht am Willen oder der Einsicht sich diesem dringenden Thema zu widmen, sondern vielmehr an der Gewichtung im Tagesgeschäft. Operative Themen haben oft Vorrang. Zusätzlich fehlt an den zeitlichen und personellen Ressourcen. Nicht selten scheitert es zudem am Geld. Höhenverstellbare Schreibtische z. B. sind im KMU Bereich bereits eine kleine Investition, die sich nicht jedes Unternehmen leisten kann.

Was muss sich konkret ändern, damit Verantwortliche und Belegschaften dies so erkennen?

Die Mehrheit in der Belegschaft hat das längst erkannt. „Mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer kennen bis zu drei Menschen im beruflichen Umfeld, die an Burn-out erkrankt sind.“ ¹ Burn-out und Depression prägen unsere Gesellschaft, davor kann niemand mehr die Augen verschließen.

Verantwortliche ärgern sich oft über den hohen Krankheitsstand im Unternehmen. Sie erkennen nicht, dass die Fehlzeiten die Konsequenz ihres eigenen Konflikt- und Führungsverhalten ist. Hier braucht es Freiräume und Offenheit zur Selbstreflexion und Selbsterfahrung.

Warum ist es so schwer, das Bewusstsein dafür in die Köpfe zu pflanzen?

Es ist eine Frage der eigenen Werte und Glaubenssätze der Menschen, die Führungsverantwortung in den Unternehmen übernehmen. Viele der Topmanager sind aufgrund ihrer Persönlichkeitsstruktur von ihren eigenen Gefühlen und Bedürfnissen abgeschnitten. Hinzu kommen Verlustängste und der stetig zunehmende Kosten- und Leistungsdruck. Meist tritt eine Bewusstseinsveränderung erst ein, wenn Führungskräfte selbst einen Burn-out erlitten haben oder eine Grenzerfahrung machen mussten. Mit etwas Glück führen sie dann gesund und fair.

Welche drei Forderungen erheben Sie, um (rasch) „gute Arbeit“ zu implementieren?

Niemand erfüllt gern Forderungen, daher möchte ich an diese Stelle Empfehlungen aussprechen:

  • Entscheiden Sie sich bei der Personalauswahl relevanter Positionen (Führungskräfte, Personalverantwortliche) für Bewerber mit menschlicher Reife und sozialer Kompetenz.
  • Schenken Sie dem Thema Aufmerksamkeit und holen Sie sich bei fehlenden Ressourcen Unterstützung von außen.
  • Wenn der „Berg“ zu groß ist, gehen Sie Schritt für Schritt vor. Selbst kleinere Maßnahmen erzielen meist eine beachtliche Wirkung.

Quelle: htts://www.dbvb.org/bundesweite-forsa-umfrage-burnout-erkrankungen-deutschen-unternehmen-weit-verbreitet

Fotonachweis: Fotografin Tanya Tiffin Kapstadt, zur Website