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Schweigen als Hauptursache für Konflikte

Schweigen als Hauptursache für Konflikte

Wie wir als Kinder darauf trainiert werden, unsere Gefühle und Bedürfnisse zu unterdrücken

Kinder reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Erwachsene sind oftmals peinlich berührt, weil ihre Kinder die Wahrheit ungeschönt auf den Punkt bringen. Sie sind schnell dabei, die Kinder zu maßregeln.

  • Das sagt man nicht!
  • Das gehört sich nicht!
  • Benimm dich anständig!

Aussagen, mit denen viele von uns groß geworden sind. Benimmt sich ein Kind „daneben“ droht oftmals Liebensentzug. Mit drastischen Auswirkungen für unser späteres Leben wird Liebe an Bedingungen geknüpft. Wiederholen sich diese Vorgänge zwischen Eltern und Kind, manifestieren sich diese Aussagen unterbewusst zu festen Glaubenssätzen. In Konfliktsituationen zu schweigen, begleitet uns dann durch unser gesamtes Leben.

Alte Weisheiten und ihre Manifestation als Glaubenssatz sind schadhaft

  • Reden ist Silber und Schweigen ist Gold.

Manchmal sind Glaubenssätze hilfreich, doch in vielen Fällen sind sie überholt und schadhaft, da wir dadurch Teile unserer Identität aufgeben. Wir verhalten uns angepasst und verbiegen uns nach und nach immer mehr, mit dem Ziel, möglichst nicht anzuecken und die Liebe zu bekommen, die wir uns sehnlichst erhoffen. Meist buhlen wir dabei im Erwachsenenalter bei anderen Mitmenschen und Beziehungspartnern um die Liebe, die wir uns von unseren Eltern gewünscht hätten. Alte unerfüllte Bedürfnisse steuern uns unbewusst. Aufgrund dieser Erfahrung verlernen wir das auszudrücken, was wir gerade fühlen und schweigen über unsere Bedürfnisse.

Die häufigste aller Konfliktursachen ist Schweigen

Nicht auszudrücken (zu reden!) was man beobachtet, fühlt und sich wünscht, ist die Hauptursache für Konflikte. Sowohl in privaten als auch beruflichen Situationen wird viel zu häufig geschwiegen. Doch warum wird so eisern geschwiegen?

  • Wir leben mit manifestierten Glaubenssätzen. „Schweigen ist Gold.“
  • Wir haben Angst vor der Konfrontation.
  • Wir haben Angst davor, dem Gespräch nicht gewachsen zu sein.
  • Wir haben Angst vor Ablehnung und davor, bestraft zu werden.
  • Wir haben es verlernt unsere Bedürfnisse auszudrücken.
  • Wir haben Angst davor, dass wir die Antwort auf die Frage nicht verkraften könnten.
  • Wir haben Angst davor, uns dem anderen in unserer Ganzheit zu zeigen und uns zuzumuten.

Blickt man tiefer, liegt hinter unserem gut antrainiertem braven Verhalten die tief liegende Angst vor Liebesentzug und die Angst, verlassen zu werden. Doch zu schweigen und schön brav zu sein, schützt uns nicht davor verlassen zu werden, vor Demütigungen und auch nicht davor missbraucht zu werden. Demzufolge ist nicht zu reden und keine Fragen zu stellen, einer der schadhaftesten Prozesse die wir uns selbst antun können.

Reden hilft, um Konflikte zu lösen

Wer in einer Konflikt- oder Krisensituation redet ist klar im Vorteil. Nur wer in der Lage ist, sich mit seinen Bedürfnissen und Wünschen zu zeigen, sie auszudrücken (ja auszusprechen!), hat auch die Chance, verstanden und gehört zu werden. Mutig zu sein und zu reden kann erste Auswege aus der Krise bieten.

Wie Sie Sprechblockaden auflösen

In Konflikt- oder Krisensituationen erlebe ich häufig, dass nicht gesprochen wird. Im besten Fall wird gesprochen, doch nicht mit den Betroffenen direkt. Über jemanden zu sprechen fällt offensichtlich leichter, als mit jemandem zu sprechen.
Für Betroffene die sprechen möchten, die jedoch aus den unterschiedlichsten nicht in der Lage sind sich auszudrücken, gibt es Hilfe. Beispielsweise gibt es im Konfliktcoaching die Möglichkeit, ein wichtiges anstehendes Gespräch in einem Rollenspiel zu trainieren.

Der Konfliktcoach geht dann in die Rolle Ihres Gesprächspartners. Das ermöglicht Ihnen alles ausdrücken was Sie beobachten, fühlen und wünschen. Sie erhalten sofort wertvolles Feedback über die Botschaften die Sie aussenden und wie Sie dabei wirken. In der Praxis habe ich bereits erlebt, dass auf das tatsächliche Gespräch später verzichtet werden konnte, weil sich die Klärung wie von selbst einstellte. In dem Sie das Thema bearbeiten verändert sich bereits die Situation.

Das „Doppeln“ als Unterstützung

In einer Mediation und im Konfliktcoaching hat sich für mich das Doppeln als eine der wirksamsten Methoden gezeigt. Doppeln bedeutet, dass ich für den Klienten spreche. In einem sehr einfühlsamen Prozess spreche ich dann das aus was er gerade denkt und fühlt. Durch diese Form der Arbeit kann endlich ausgesprochen werden, worüber schon sehr lange geschwiegen wurde.
In diesem Prozess stellt sich eine große Entlastung für die Klienten ein, was zur Folge hat, dass sich der Konflikt in dem Moment schon entschärft. Die Konfliktparteien haben so die Möglichkeit, sich wieder aufeinander zu zubewegen und die Lösung des Konfliktes kommt in Bewegung.

Machen Sie eine neue Erfahrung – Reden Sie!

Aus eigener Erfahrung kann ich Sie nur ermutigen zu reden. Anfangs fühlt es sich ungewohnt an. Manchmal braucht es dafür zunächst einen geschützten Rahmen, um eine neue Erfahrung zu machen. Sie erleben dann, dass Reden nicht gleichermaßen mit Liebesentzug verbunden ist. Sie werden erkennen wie wertvoll und hilfreich Reden tatsächlich ist. Geben Sie sich einen Ruck. Seien Sie mutig und reden Sie!
Herzlichst, Ihre Andrea von Graszouw


unsplash-logoKristina Flour (Fotonachweis)

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