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Dein Leben gehört Dir - Beende Stalking!

Schluss mit dem Psychoterror – Bei SOS-Stalking in Berlin finden Betroffene Hilfe und Unterstützung
Im Interview: Sandra Cegla

Sandra Cegla
Sandra Cegla von SOS-Stalking

Stalking ist kein Kavaliersdelikt und doch fühlen sich Betroffene selten ernst genommen. Das Problem: Die Spuren, die Stalking bei den betroffenen Menschen hinterlässt, sind von außen, im Gegensatz zur körperlichen Gewalt, meist nicht sichtbar. Die Folgen des zum Teil über Jahre andauernden Psychoterrors sind dennoch verheerend. Viele Menschen werden die damit verbundenen Ängste und Traumata ihr Leben lang nicht mehr los. Besonders schwere und andauernde Stalking-Handlungen können sogar mit dem Suizid der Betroffenen enden, weiß Sandra Cegla, Inhaberin der Beratungsagentur SOS-Stalking aus Berlin. Als Kriminalkommissarin a.D. unterstützt sie mit ihrem Team seit dem 1. August 2015 Betroffene, ihre Persönlichkeitsrechte besser zu schützen und bei der Wiederherstellung ihrer verloren gegangenen Lebensqualität.

Im Rahmen meiner Tätigkeit als Konfliktmanagerin wenden sich immer häufiger auch Betroffene von Stalking Hilfe suchend an mich. Doch, um Menschen in diesem Ausnahmezustand wirkungsvoll zu unterstützen, braucht es mehr als Mediation und Konfliktmanagement leisten können. Es bedarf einer absoluten Spezialisierung, die meine Klienten bei Sandra Cegla von SOS-Stalking finden können. Um mehr über das Thema Stalking zu erfahren, besuchte ich Sandra Cegla für ein Interview in ihrem Berliner Büro im Herzen der Stadt in Berlin-Mitte.

Sandra, wie kommt es, dass Du Deine Arbeit bei der Kriminalpolizei aufgegeben hast?

Stalking ist ein hochkomplexes und psychologisches Phänomen, das in aller Regel nur mit einem Gesamtpaket aus Maßnahmen bekämpft werden kann. Die Strafverfolgung allein durch den Staat reicht in vielen Fällen einfach nicht aus. Aufgrund dieser Tatsache waren mir bei der Polizei in Fällen von Stalking viel zu häufig die Hände gebunden. Mit SOS-Stalking verfolgen wir daher einen ganzheitlichen und interdisziplinären Ansatz. Bei uns laufen alle Fäden zusammen. Das, was wir tun, nennen wir Fall- und Bedrohungsmanagement. So effektiv, wie wir heute mit SOS-Stalking helfen können, konnte ich das früher nicht. Deshalb musste ich mich irgendwann entscheiden und so habe ich für SOS-Stalking die Polizeibehörde verlassen. Natürlich war ich immer von meiner Entscheidung überzeugt, doch heute nach 4 Jahren SOS-Stalking weiß ich sicher, dass das Konzept funktioniert.

„Wichtig: Die strafrechtliche Verfolgung gilt immer als Ultima Ratio.“

Welchem Schutz unterliegen Stalking-Betroffene per Gesetz?

Das Strafgesetzbuch stellt unter § 238 StGB „Nachstellung“ unter Strafe. Dieses Gesetz ist am 31.03.2007 in Kraft getreten. Der § 238 StGB ist in drei Tatbestände untergliedert: § 238 Abs. 1 StGB regelt den Grundtatbestand mit der Rechtsfolge von Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe. Bei den § 238 Abs. 2 und Abs. 3 handelt es sich Qualifikationstatbestände, die zu den „schweren Stalking-Straftatbeständen“ zählen. Zweck des Stalking-Straftatbestandes ist es, den individuellen Lebensbereich und die Freiheit der Person zu schützen.

Wichtig: Die strafrechtliche Verfolgung gilt immer als Ultima Ratio. Ultima Ratio bezeichnet allgemein den letzten Lösungsweg, das letzte Mittel oder den letzten Ausweg in einem Interessenkonflikt, wenn zuvor alle sonstigen Lösungsvorschläge verworfen wurden, da mit ihnen keine gütliche Einigung erzielt werden konnte. Das Problem: Stalking wirkt auf den ersten Blick zunächst wie ein „normaler“ Konflikt und erst bei genauerem Hinschauen wird ersichtlich, dass lediglich von einer Seite eine massive Grenzüberschreitung und Bedrohung ausgeht. Ein Ermittlungs- und anschließendes Gerichtsverfahren ist ein langwieriger Prozess, bei dem es erst nach Monaten eine Entscheidung gibt. Das muss man wissen, wenn man sich schnell spürbare Hilfe wünscht.

Gegen Stalking kann auch zivilrechtlich vorgegangen werden, zum Beispiel mit einem Antrag nach dem Gewaltschutzgesetz beim Familiengericht. Damit kann der stalkenden Person gerichtlich die Kontaktaufnahme untersagt und ein Näherungsverbot erteilt werden.

Wichtig: Sobald der entsprechende Beschluss über das Kontaktverbot ergangen ist, ist folgendes zu beachten: Jeder Verstoß gegen das Kontaktverbot ist eine einzelne Straftat, die zur Anzeige gebracht werden muss. Das heißt, wenn 20 mal unerwünscht angerufen wird, sind das 20 einzelne Straftaten, die angezeigt werden müssen. Es handelt sich um Verstöße gegen das Gewaltschutzgesetz. Nur wenn diese Verstöße konsequent angezeigt werden, ist es dem Gericht möglich, zu handeln und Zwangsmaßnahmen einzuleiten. Aufgrund dieser Straftaten kann die Amtsanwaltschaft beispielsweise einen Haftbefehl erwirken. Viele Betroffene wissen das leider nicht.

In vielen Fällen liegen weitere Delikte vor, wie z. B. der Datenmissbrauch oder die Verbreitung von Unwahrheiten über den Arbeitgeber oder gegenüber Behörden, um nur einige Sachverhalte zu nennen.

Was tut die Polizei, um Stalking-Betroffene zu schützen?

In Fällen von Stalking führt die Polizei regelmäßig eine gezielte Gefährderansprache mit dem Täter durch. Ziel der Gefährderansprache ist es, dem Täter sein Verhalten vor Augen zu führen und ihm bewusst zu machen, dass sein Verhalten der Polizei bekannt ist. In dem Gespräch werden ihm die rechtlichen und tatsächlichen Grenzen seines Handelns aufgezeigt und die daraus folgenden staatlichen Konsequenzen.

Die Polizei berät außerdem im Bereich des Opferschutzes über Rechte und Pflichten der Betroffenen und stellt Kontakt zu kooperierenden Hilfseinrichtungen her.

Weiterhin führt die Polizei die Ermittlungen, um eine ausreichende Beweislage für ein mögliches Gerichtsverfahren zu schaffen.

Was sind die ersten Anzeichen von Stalking?

Stalking beginnt nach dem Zeitpunkt, zu dem einer der Beteiligten getrennte Wege gehen möchte und deutlich signalisiert: „Bitte lass mich in Ruhe, ich möchte keinen Kontakt“ und es wird nicht akzeptiert. Das Gegenteil passiert: Stalker legen meist ein sehr beharrliches Verhalten an den Tag und neigen zum Psychoterror. Doch wo fängt eine Grenzüberschreitung an? Sich dessen bewusst zu werden, wo persönliche, kommunizierte Grenzen nicht gewahrt werden, ist essenziell. Hier ist es enorm wichtig, auf die innere Stimme zu hören. Meist sendet der Körper eindeutige Signale in Form von unangenehmen Gefühlen oder Schuldgefühlen. Wir fühlen es im Grunde sofort. Leider lassen sich häufig insbesondere gut sozialisierte Frauen mit Anstand im Rahmen einer Trennungskrise sehr viel gefallen, bis sie sich zur Wehr setzen. Sie bemühen sich oft, Verletzungen auf der Gegenseite zu vermeiden und nehmen damit ihre eigene Gefährdung und Verletzung in Kauf. In der Zwischenzeit kann das Stalking längst chronisch geworden sein. Auch ambivalentes Verhalten kann die Situation noch befeuern und das Stalking verschlimmern. Hier kann es schwierig werden, wieder aus der Situation herauszukommen. Je früher man aktiv wird, umso besser sind die Aussichten, das Stalking zu beenden.

Welche Situationen veranlassen Menschen zu Stalking?

Stalking beginnt meist mit einer massiven Kränkung für den Täter. In vielen Fällen ist die Beendigung einer Beziehung oder Freundschaft, eine Kündigung oder allgemein ein spontaner Kontaktabbruch der Beginn von Stalking. Dieses „Verlassen werden“ ist eine massive Kränkung und löst einen Schmerz aus, in dem sich der Täter verirrt und verfängt. Stalking dient als Kanal, um diesen Schmerz zu bewältigen, also als Mittel zur Kompensation. Wichtig zu wissen: Jeder erneute Kontakt und die wiederholte Zurückweisung verstärkt diese Kränkung. Deshalb sind konsequentes Handeln unmissverständliches Verhalten oberste Gebote.

Täter fühlen sich häufig selbst als Opfer. Sie haben einen starken Leidensdruck, der aus Kränkung oder tiefliegenden inneren Wunden stammt. Sie empfinden eine ähnliche Ohnmacht wie die Opfer und fixieren sich auf sie. Stalker missdeuten häufig ihr Innenleben und die Beziehung zu ihrem Opfer. Aus diesem Schmerz heraus kommen sie ins Handeln. Der Schaden, den sie ihren Opfern zufügen, bleibt den meisten Stalkern komplett verborgen. Alle Täter, mit denen ich bisher gesprochen habe, ließen kein Unrechtsbewusstsein, keine Reue und keine Empathie erkennen.

Anfällig für Stalking sind bindungsgestörte Menschen, die oft schwerwiegende psychische Erkrankungen aufweisen. Doch eine kranke Persönlichkeit muss nicht automatisch zum Stalker werden. Stalking ist strafbares Verhalten, das entsprechend verfolgt und geahndet werden kann.

Doch auch gesunde Persönlichkeiten können zu Stalkern werden. Dann zum Beispiel, wenn ihnen in vielen Lebensbereichen gleichzeitig der Boden unter den Füßen weggerissen wird und sie in ihrer Existenz bedroht sind. Allerdings handelt es sich hier eher um Einzelfälle, bei denen sich nach den ersten eingeleiteten Maßnahmen meist recht schnell die Vernunft wieder einstellt.

„In einer Studie wurde herausgefunden, dass Betroffene von Stalking dem gleichen Stress ausgesetzt sind wie Überlebende eines Flugzeugabsturzes.“

Welche gesundheitlichen und sozialen Folgen können durch Stalking entstehen?

Die gesundheitlichen Folgen von Stalking können verheerend sein. Die Betroffenen leiden unermesslich, deshalb müssen sie zunächst emotional stabilisiert werden. In einer Studie wurde herausgefunden, dass Betroffene von Stalking dem gleichen Stress ausgesetzt sind wie Überlebende eines Flugzeugabsturzes. Da wundert es nicht, dass Stalking sogar  lebensbedrohliche Krankheiten und Seelenzustände verursachen kann. Panikattacken, Verfolgungswahn, Schlafstörungen, Suizidgedanken und sogar der vollzogene Suizid können die Folge von Stalking sein. Jeder Mensch geht mit Leid unterschiedlich um und reagiert unter Druck anders. Deshalb arbeiten wir bei SOS-Stalking ausschließlich individuell.

Die sozialen Folgen können ebenfalls vernichtend sein. Häufig bringen Stalker ihre Opfer in deren Umfeld in Verruf. Menschen, die diese manipulativen Strategien nicht durchschauen, distanzieren sich oft und der Betroffene gerät in die soziale Isolation. Viele unserer Kunden verlieren ihr Geld, ihren Status und ihre Arbeit als Lebensgrundlage. Sinnstiftende Aufgaben sind nach einem Rufmord kaum mehr möglich. Doch das schlimmste ist, wenn ihnen zu Unrecht ihre Kinder weggenommen werden oder sich der Rest der Familie abwendet. Deshalb raten wir dringend dazu, sich bereits bei den ersten Anzeichen von Stalking Hilfe zu holen.

Welche 3 Tipps haben Sie, damit Menschen gar nicht erst in die Gefahr von Stalking geraten?

Stalking kann niemand verhindern. Ich werde oft in Interviews nach Tipps und Handlungsoptionen gefragt wird, doch Stalking ist eine einseitige Bedrohung und geht grundsätzlich vom Täter aus. Sie ist von dessen Fantasie (fehl-)gesteuert und durch Dritte nicht zu beeinflussen.

Wie bereits erwähnt, kann Stalking befeuert werden, wenn sich Betroffene ambivalent verhalten. Sowohl in einer festen Partnerschaft als auch beim Dating sind faire und klare Verhaltensweisen gefragt. Jemandem falsche Hoffnungen zu machen oder mit einer Person geradezu zu spielen, kann bei der falschen Person nach hinten losgehen. Doch nochmal: Stalking kann völlig schuldlos jeden treffen. Es lässt sich nicht verhindern.

Das eigene Bauchgefühl ist gefragt. Sobald sich Schuldgefühle einstellen und Betroffene anfangen an sich und ihrer Wahrnehmung zu zweifeln, ist es an der Zeit, Feedback von Freunden oder Psychologen einzuholen und Spezialisten wie uns von SOS-Stalking einzubinden. Umso früher Stalking erkannt wird, desto besser und schneller kommt man aus der Situation wieder raus.

„Stalking kann niemand verhindern. Ich werde oft in Interviews nach Tipps und Handlungsoptionen gefragt wird, doch Stalking ist eine einseitige Bedrohung und geht grundsätzlich vom Täter aus. Sie ist von dessen Fantasie (fehl-)gesteuert und durch Dritte nicht zu beeinflussen.“

Welche Unterstützung erhalten Betroffene von SOS-Stalking?

Wenn die Betroffenen sich bereits bei den ersten Anzeichen von Stalking bei uns melden, dann können wir bereits mit 1 – 3 intensiven Strategieberatungen die Weichen so stellen, dass das Stalking innerhalb kürzester Zeit eingedämmt werden kann. Wenn wir bereits in dieser frühen Phase tätig werden, erzielen wir die schnellsten Erfolge. Aufgrund unserer jahrelangen Erfahrung wissen wir, wozu die Täter fähig sind und schaffen bereits im Vorfeld Beweise für die spätere Wahrheitsfindung. Unsere Stärke ist die absolute Spezialisierung und dass wir interdisziplinär im Team arbeiten. Das heißt, wir betrachten nicht nur isoliert einen Aspekt des gesamten Falls, sondern ziehen alle Experten zurate, die in einem Fall nötig sind. Das können Psychologen, Juristen, Personenschützer, Detektive oder Polizisten sein. Auch müssen wir uns mit Zivilrecht, Strafverfahren, dem Gewaltschutzgesetz sowie Sorgerechtsfragen auseinandersetzen. Wir nehmen die Betroffenen an die Hand und begleiten sie durch die teils unübersichtliche Rechtslage. Wir nennen es das Netzwerk der guten Seele.

Gibt es noch weitere Angebote?

Ja, seit dem Jahr 2018 gibt es neben zahlreichen Vorträgen zwei weitere Angebote. In unserem Power-Workshop Sicherheit für Frauen, den wir 1- oder 2-tägig durchführen, lernen Frauen Grenzüberschreitungen im Alltag zu erkennen, ihrer Intuition (wieder mehr) zu vertrauen und sich im Falle eines körperlichen Angriffs zu verteidigen.

Unser Unternehmensworkshop Stalking richtet sich an Unternehmen, Organisationen und Institutionen, die sich dem Thema Mobbing und Stalking präventiv widmen möchten. Mobbing und Stalking sind verwandte Phänomene, die sich nur in wenigen Details unterscheiden und eines gemeinsam haben: den Leidensdruck und den existenziellen Schaden für die Betroffenen. Private oder staatlicher Arbeitgeber haben gegenüber ihren Mitarbeitern und Angestellten eine besondere Fürsorgepflicht: Sie müssen dafür Sorge tragen, die Persönlichkeitsrechte ihrer Beschäftigten zu schützen. Im Workshop erarbeiten wir Strategien und Maßnahmen, um Stalking vorzubeugen und eine konkrete Vorgehensweise, wenn Stalking-Fälle im Unternehmen auftreten. Eine Stalking-Richtlinie als Ergänzung zur bereits bestehenden Konflikt-Richtlinie wird erarbeitet.

Liebe Sandra, vielen herzlichen Dank für das Interview und weiterhin ganz viel Erfolg bei deiner Arbeit!

Weitere Informationen, Presse- und Medienberichte zu Sandra Cegla von SOS-Stalking finden Sie auf Ihrer Website.

Fotonachweis: Sandra Cegla (privat)