Entstehungsgeschichte und Berechtigung der Mediation

Auf dieser Seite finden Sie Informationen und Hintergrundwissen rund um das Thema Mediation bzw. interessenbasierte Konfliktlösung.

Das Rollenverständnis als Mediator

Mediation (lateinisch „Vermittlung“) ist ein strukturiertes freiwilliges Verfahren zur konstruktiven Beilegung eines Konfliktes. Die Konfliktparteien – auch Medianten oder Medianden genannt – wollen mit Unterstützung einer dritten ‚allparteilichen‘ Person (dem Mediator) zu einer gemeinsamen Vereinbarung gelangen, die ihren Bedürfnissen und Interessen entspricht. Der Mediator trifft dabei keine eigenen Entscheidungen bezüglich des Konflikts, sondern ist lediglich für das Verfahren verantwortlich.

Die Aufgabe des Mediators liegt in der Gerechtigkeit bei der Ergebnisfindung, doch wie lässt sich diese herstellen? Es gelingt, durch die Anwendung der Kunst, fortwährend wechselseitig beiden Konfliktparteien gleichermaßen Aufmerksamkeit zu schenken und emphatisch und wertschätzend ein Gleichgewicht zwischen den Streitenden herzustellen. In einer Mediation, in Abhängigkeit von dem Umfang und der Struktur des Konfliktes, bietet es sich an, als Mediatorenteam, also zu zweit, zu arbeiten.

Edward de Bono (1987) (1) hat die Rolle des Mediators sehr zutreffend beschrieben: „Zweck der dritten Partei ist es, einen zweidimensionalen Kampf in eine dreidimensionale Erkundung umzuwandeln, die zum Entwurf einer Lösung führt.“ Der Mediator als Gerechtigkeitsstifter verantwortet den Prozess, die Verantwortlichkeit für das Verfahren und dessen Ausgang liegt in der Verantwortung der Konfliktparteien. Gelingt es dem Mediator, die Medianten über die „Brücke der Gefühle“ zu geleiten, dann gibt es den spürbar schönsten Moment im Mediationsverfahren. Ab dann wird es leicht. Verstrickungen lösen sich auf, und der Blick kann von der Vergangenheit auf das zukünftig Sinnvolle gelenkt werden. Emotionen wie Verletzung, Trauer, Wut werden abgelöst durch Erleichterung, Zuversicht und Mut. Quelle: (1) de Bono (1987) S.173. Konflikte. Neue Lösungsmodelle und Strategien. Econ Verlag.

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Videoserie: Konsens lohnt sich

Recht versus Gerechtigkeit, warum Mediation, wenn es doch Gesetze gibt?

„Gerechtigkeit zu finden, ist eine Ursehnsucht des Menschen. Im Alten Testament gibt es kein Wort, das so häufig gebraucht wird wie sdq, die Gerechtigkeit.“ (1) In den westlichen Demokratien wurde seit der Französischen Revolution versucht, durch das traditionelle Rechtssystem die Eingrenzung der Ungerechtigkeit durch die Delegation an das Recht vorzunehmen, doch zeigen die Geschichte und unsere aktuelle Gegenwart, dass „die Anwendung der Gesetze Unrecht schaffen kann, wenn die konkreten Lebensverhältnisse von dem Realtypus abweichen, von dem der Gesetzgeber ausgegangen ist“. (2)

Als eine Antwort auf die Defizite der Gesetzesgerechtigkeit hat sich Mediation als Kernform für ein selbst verantwortetes interessenbezogenes Konsensverfahren entwickelt und ist als Eröffnung neuer Horizonte zu verstehen. (3) Es ist auf den ersten Blick sichtbar, dass hiermit eine ganz andere Form von Gerechtigkeit angesprochen ist als im traditionellen Rechtssystem. Die Entscheidung richtet sich nicht nach einem objektiven Maßstab, also dem Gesetz, sondern fußt auf den zukunftsorientierten Interessen der Konfliktpartner.

Die Entscheidung wird nicht an einen Richter delegiert, sondern von den Konfliktparteien persönlich verantwortet. Die Verfahrensordnungen des traditionellen gerichtlichen Verfahrens spielen naturgemäß keine Rolle. Die erfolgte Delegation wird aber durch eine neue ersetzt: nämlich durch die Phasenstruktur der Mediation (Arbeitsbündnis, Themensammlung und Bestandsaufnahme, Konfliktbearbeitung, Einigung, Implementierung), für deren Installation der Mediator verantwortlich ist. Durch die Rücknahme der Delegation und den installierten selbst verantworteten Konsens wird versucht, Ungerechtigkeiten des traditionellen Systems zu entgehen. (4)

Quellen: (1) von Rad G. (1987) S.382 ff. Theologie des Alten Testaments. Bd. 1, München: Kaiser. IN: Mähler, Gisela und Hans-Georg (2000). IN: Anne Dieter, Leo Montana, Annedore Schulze (HG). (2000) Gerechtigkeit im Konfliktmanagement und in der Mediation. Campus Verlag. Frankfurt/New York. (2) Langenfeld, Gerrit (1997) S.22. Vertragsgestaltung. 2. Aufl. C.H. Beck. München (3)+(4) vgl. Mähler, Gisela und Hans-Georg (2000) S.11 ff + S.17 ff. IN: Anne Dieter, Leo Montana, Annedore Schulze (HG). (2000) Gerechtigkeit im Konfliktmanagement und in der Mediation. Campus Verlag. Frankfurt/New York.

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Fragen und Antworten zur Mediation

Was ist Mediation? Mediation ist ein Konfliktklärungsprozess, der freiwillig ist, unter Zuhilfenahme einer dritten allparteilichen Person – der Mediatorin/dem Mediator. Eine Mediation findet außergerichtlich statt und ist erfahrungsgemäß günstiger als ein Rechtsstreit vor Gericht.

Für wen ist Mediation geeignet? Für alle Menschen, die eine innere Bereitschaft haben, gemeinsame Probleme eigenverantwortlich lösen zu wollen.

Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Mediation? Je eher desto besser. Es ist ratsam eine Mediation anzustreben, bevor der Konflikt eskaliert und es kein zurück mehr gibt.

Wie läuft ein Mediationsverfahren ab? Ein Mediationsverfahren durchläuft verschiedene Phasen. Zunächst wendet sich meist eine Konfliktpartei Hilfe suchend an einen Mediator. In dieser Phase erfolgt das Vorgespräch, welches jedoch nur die Verfahrensweise erörtert. Um die Allparteilichkeit zu wahren, wird nicht auf den konkreten Konflikt eingegangen. Im Bedarfsfall gibt es ein weiteres Vorgespräch mit der zweiten Konfliktpartei. Besteht Einigkeit, wird eine Mediationsvereinbarung abgeschlossen und ein erster Termin vereinbart. In diesem Termin erläutert der Mediator das Verfahren und seine Rolle als Mediator. Zudem findet die Vereinbarung der Gesprächsregeln statt. Das Mediationsverfahren durchläuft dann die Phasen der Konfliktdarstellung und Konflikterhellung. Schließlich mündet es in der Konfliktlösung und endet in einer Vereinbarung zwischen den Medianten. Darüber hinaus besteht ergänzend die Möglichkeit eines Einzelcoachings für alle am Konflikt Beteiligten. Dies ist mitunter hilfreich, wenn es zu einer Verhärtung der Standpunkte kommt oder der Mediator spürt, dass eine Konfliktpartei Angst davor hat, bestimmte Dinge zu äußern.

Wie lange dauert eine Mediation? Die Dauer eines Mediationsverfahrens richtet sich nach der Tiefenstruktur des Konfliktes, dem Konfliktausmaß und der Anzahl der in den Konflikt verstrickten Personen. In einem Vorgespräch wird eine erste Einschätzung aus vorangegangen Erfahrungen vorgenommen. Da ein Mediationsverfahren fünf Phasen durchläuft (Vorgespräch, Konfliktdarstellung, Konflikterhellung, Lösungsfindung und Mediationsvereinbarung) sind fünf Termine ein Anhaltspunkt.

Was bewirkt erfolgreiche Mediation? Mediation zeigt einen Weg auf aus dem Streiten auszusteigen und (selbst-)zerstörerische Prozesse zu beenden. Der Blick wird von der Vergangenheit auf das zukünftig Sinnvolle gelenkt, ein befreiteres Weiterleben wird möglich.

Welche Konflikte lassen sich durch Mediation lösen? Nahezu alle Konflikte lassen sich durch Mediation lösen, sofern die Konfliktparteien über den festen Willen hierzu verfügen, hierzu zählen private, berufliche, geschäftliche und gesellschaftliche Konfliktsituationen.

Gibt es eine Garantie für den Erfolg des Mediationsverfahrens? Nein, es gibt keine Garantie. Ein Mediationsverfahren ist grundsätzlich ergebnisoffen.

Wie viele Mediatoren sind erforderlich? Die Anzahl der Mediatoren richtet sich nach dem Ausmaß des Konfliktes und der am Konflikt beteiligten Personen. Beispielsweise kann in einem Beziehungskonflikt sowohl ein Mediator allein arbeiten, als auch im Zweier-Team.

Bin ich als Konfliktpartei sicher im Mediationsprozess? Für den Schutz der Konfliktparteien werden zu Beginn des Mediationsprozesses Grundsätze zum Umgang miteinander im Mediationsverfahren vereinbart. Hierzu zählen die Wahrung der Vertraulichkeit über alles was im Prozess gesagt wird, die gegenseitige Wertschätzung, die Bereitschaft zur Mitarbeit und sowohl das Zuhören als auch das Ausreden lassen. Es liegt in der menschlichen Natur, dass es hier zu Grenzüberschreitungen kommen kann. Der Mediator wird dafür Sorge tragen, dass der sichere Rahmen gewahrt bleibt. Droht eine Situation zu eskalieren, wird das Verfahren unterbrochen oder gar abgebrochen.